Wohngebäude

Energieausweis Plattenbau Berlin: Was in Marzahn, Hellersdorf und Lichtenberg wirklich zählt

Energieausweis Plattenbau Berlin: Was in Marzahn, Hellersdorf und Lichtenberg wirklich zählt | energiepass BERLIN, Telefon 0152 060 777 67
Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Berlin
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Ein Plattenbau in Berlin braucht genau einen Energieausweis, nicht einen pro Wohnung. Er kostet bei mir 399 Euro als Festpreis und ist zehn Jahre gültig. Sanierte Blöcke in Marzahn, Hellersdorf und Lichtenberg landen meist zwischen 70 und 100 kWh pro Quadratmeter und Jahr, also in den Klassen B bis D.

Die Platte hat einen schlechteren Ruf, als die Zahlen hergeben.

Rund 270.000 Berliner Wohnungen stehen in industrieller Bauweise, allein etwa 100.000 in Marzahn-Hellersdorf und rund 85.000 in Lichtenberg. Und wenn ich für einen dieser Blöcke einen Energieausweis rechne, ist das Ergebnis oft besser als bei der schicken Gründerzeit-Etage in Prenzlauer Berg.

Kompakte Baukörper, wenig Außenfläche pro Wohnung, Fernwärme im Keller, in den Neunzigern gedämmt. Das ist energetisch eine gute Ausgangslage.

Braucht ein Plattenbau in Berlin überhaupt einen Energieausweis?

Ja. Sobald eine Wohnung verkauft, vermietet oder verpachtet wird, muss nach §80 Absatz 3 GEG ein gültiger Energieausweis vorliegen. Er wird nach §79 GEG immer für das gesamte Gebäude ausgestellt, niemals für die einzelne Wohnung. Der Ausweis gilt zehn Jahre ab Ausstellung.

Für Sie als Eigentümer einer Wohnung im WBS-70-Block heißt das: Sie brauchen nichts Eigenes. Sie brauchen eine Kopie des Gebäudeausweises.

Zuständig ist die Eigentümergemeinschaft, praktisch also die Hausverwaltung. Da der Ausweis das gemeinschaftliche Gebäude bewertet, werden die Kosten in aller Regel über die Gemeinschaft getragen und nicht vom einzelnen Verkäufer.

Der häufigste Fall in meiner Praxis: Der Makler meldet sich zwei Tage vor der ersten Besichtigung, die Verwaltung reagiert nicht, der Ausweis ist von 2014 und damit abgelaufen. Dann wird es hektisch, denn spätestens bei der Besichtigung muss der Ausweis unaufgefordert vorgelegt werden.

Und schon die Immobilienanzeige braucht nach §87 GEG die Pflichtangaben: Energiekennwert, wesentlicher Energieträger, Baujahr, Effizienzklasse. Fehlen sie, drohen Bußgelder bis zu 10.000 Euro nach §108 GEG.

Verbrauchs- oder Bedarfsausweis für die Platte?

Bei Plattenbauten haben Sie fast immer die freie Wahl. Die Pflicht zum Bedarfsausweis nach §80 Absatz 3 GEG greift nur bei Wohngebäuden mit weniger als fünf Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde und die nie auf das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977 gebracht wurden. Ein Block mit 60 Parteien fällt nie darunter.

Der Verbrauchsausweis stützt sich auf drei zusammenhängende Jahre Heizkostenabrechnung, witterungsbereinigt und um Leerstand korrigiert. Bei Fernwärme mit zentraler Abrechnung ist das sauber machbar.

Der Bedarfsausweis rechnet die Bausubstanz durch, unabhängig vom Heizverhalten der Mieter.

Hier hat die Platte einen echten Vorteil, den kaum jemand nutzt: Sie ist typisiert. WBS 70, P2, QP, Q3A, die Bauteile und ihre Kennwerte sind dokumentiert. Ein Bedarfsausweis für einen Standardtyp ist deshalb belastbarer zu rechnen als für ein Einzelstück von 1904.

Situation im BlockMein Rat
Zentrale Fernwärme, drei saubere AbrechnungsjahreVerbrauchsausweis
Hoher Leerstand oder AbrechnungslückeBedarfsausweis
Gerade gedämmt, Verbrauchsdaten noch aus der Zeit davorBedarfsausweis
Sparsame Mieterschaft, Substanz eher mittelVerbrauchsausweis
Verkauf einzelner Wohnungen, Käufer fragen nach SanierungsempfehlungenBedarfsausweis

Wie sich die beiden Typen grundsätzlich unterscheiden, habe ich im Beitrag zum Energieausweis fürs Mehrfamilienhaus ausführlicher aufgeschrieben.

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Welche Energieklasse erreicht ein Plattenbau in Marzahn oder Lichtenberg?

Sanierte Plattenbauten liegen typischerweise bei 70 bis 100 kWh pro Quadratmeter und Jahr und damit in den Klassen B bis D. Teilsanierte Blöcke landen bei 110 bis 140, unsanierte Reste bei 150 bis 220. Etwa 85 bis 90 Prozent des Berliner Plattenbaubestands sind mindestens teilsaniert.

Das sind Bandbreiten aus der Praxis, keine amtlichen Werte. Ihr Block kann davon abweichen, in beide Richtungen.

ZustandEndenergie kWh/(m²·a)Klasse (Richtwert)
Originalzustand, keine Dämmung150 bis 220E bis G
Fenster getauscht, Fassade ungedämmt110 bis 140D bis E
Vollsaniert nach 1990er Standard70 bis 100B bis D
Zweitsanierung mit dickerer Dämmungunter 70A bis B

Interessant ist die Zweitsanierung. Die Dämmung der Neunziger liegt oft bei acht bis zehn Zentimetern. Das war damals Standard und ist heute dünn. Genau dort liegt bei vielen Berliner Siedlungen die nächste Sprungchance im Ausweis.

Was die Buchstaben konkret bedeuten, erkläre ich in meinem Beitrag zur Energieklasse beim Haus.

Warum rettet die Fernwärme die Klasse nicht?

Weil die Effizienzklasse eines Wohngebäudes nach §86 Absatz 2 GEG unmittelbar aus dem Endenergieverbrauch oder Endenergiebedarf folgt. Der Primärenergiefaktor der Fernwärme wirkt nur auf die Primärenergiezeile. Der Buchstabe auf dem Farbband ändert sich dadurch nicht.

Das ist der Punkt, an dem ich am häufigsten widersprechen muss, und zwar Verwaltern genauso wie Kollegen.

Die Erzählung geht so: Berliner Fernwärme habe einen guten Primärenergiefaktor, also werde der Ausweis schon gut aussehen. Der erste Teil stimmt je nach Netz und Jahr, der Faktor wird vom Versorger bescheinigt. Der zweite Teil stimmt nicht.

Für die Klasse zählt, wie viel Wärme durch die Hülle verloren geht. Nicht, wie sauber sie erzeugt wurde.

Praktisch heißt das: Der günstige Faktor hilft Ihnen bei den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes und beim Berliner Energiewendegesetz. Für die Zahl, die der Käufer im Exposé sieht, hilft die Gebäudehülle.

Welche Daten brauche ich für Ihren Block?

Für den Verbrauchsausweis: drei zusammenhängende Jahre Fernwärme- oder Heizkostenabrechnung, Leerstandszeiten und die beheizte Wohnfläche. Für den Bedarfsausweis zusätzlich Gebäudetyp, Baujahr, Geschosszahl sowie Jahr und Umfang der Sanierungen an Fassade, Dach, Kellerdecke und Fenstern.

Alles davon klären wir telefonisch oder per Foto. Sie schicken die Unterlagen, den Rest mache ich.

Zwei Praxis-Tipps, die im Plattenbau regelmäßig Geld oder Ärger sparen:

Erstens: Trennen Sie Warmwasser sauber ab. In vielen Berliner Blöcken läuft die Warmwasserbereitung zentral über dieselbe Fernwärmeübergabestation. Wer den Gesamtwert ungeteilt in die Berechnung kippt, verschlechtert das Ergebnis um eine ganze Klasse. Die Aufteilung gehört fachlich gerechnet, nicht geschätzt.

Zweitens: Fragen Sie die Verwaltung nach dem Sanierungsjahr, nicht nach dem Sanierungsumfang. Auf die Frage “was wurde gedämmt” bekomme ich Vermutungen. Auf die Frage “in welchem Jahr wurde saniert” bekomme ich eine Zahl aus dem Protokoll, und daraus lässt sich der damalige Standard ableiten. Das ist die verlässlichere Auskunft.

Wenn Sie eine einzelne Wohnung verkaufen und die Verwaltung nicht liefert, hilft mein Beitrag zum Energieausweis für die Eigentumswohnung weiter.

Was ändert sich für Plattenbauten durch das GModG?

Für Wohngebäude bleibt die vertraute Skala A+ bis H bestehen. Die neue A-bis-G-Einteilung des Gebäudemodernisierungsgesetzes gilt ausschließlich für Nichtwohngebäude. Der Ausweis-Teil des am 10. Juli 2026 beschlossenen Gesetzes greift voraussichtlich erst Anfang 2027.

Ihr Wohnblock in Hellersdorf bekommt also kein neues Farbband.

Was sich ändert, sind die Rechenregeln dahinter: neue Primärenergiefaktoren, ein neues Referenzgebäude, aktualisierte Normgrundlage. Dasselbe Gebäude kann danach anders dastehen als heute.

Bestandsausweise bleiben ihre vollen zehn Jahre gültig, eine Austauschpflicht gibt es nicht. Wer den Ausweis für seinen Block jetzt erstellen lässt, hat bis etwa 2036 Ruhe. Die Details habe ich im Beitrag GModG beschlossen zusammengefasst, mit dem Hinweis, dass alle Termine bis zur Verkündung im Bundesgesetzblatt Prognosen bleiben.

Welche Fehler sehe ich bei Plattenbau-Ausweisen am häufigsten?

Der teuerste Fehler ist die falsche Fläche. Angesetzt wird die beheizte Wohnfläche, nicht die Bruttogeschossfläche und nicht die Wohnfläche laut Teilungserklärung inklusive Loggien.

Loggien sind im Plattenbau der Klassiker. Sie zählen in Mietverträgen anteilig mit, in der energetischen Berechnung aber nicht, wenn sie unbeheizt sind. Zu große Fläche heißt rechnerisch besserer Kennwert, was zunächst hübsch aussieht und bei einer Prüfung zum Problem wird.

Der zweite Fehler ist der Ausweis aus der Schublade. Er stammt von 2015, das Haus wurde 2019 gedämmt, und niemand hat ihn erneuert. Der Block ist damit auf dem Papier schlechter als in Wirklichkeit, und das drückt beim Verkauf den Preis.

Der dritte Fehler ist der Verbrauchsausweis mit Abrechnungslücke. Drei Jahre heißt drei zusammenhängende Jahre. Ein fehlendes Jahr macht den Ausweis angreifbar.

Fazit

Ein Energieausweis, ein Gebäude, 399 Euro Festpreis, geliefert in 24 Stunden und DIBt-registriert. Die Berliner Platte steht dabei energetisch besser da als ihr Ruf, solange die Fläche stimmt und das Warmwasser sauber getrennt ist. Auf den günstigen Fernwärmefaktor sollten Sie sich für die Klasse allerdings nicht verlassen.

Wenn Sie einen Block in Marzahn, Hellersdorf, Lichtenberg oder Hohenschönhausen betreuen, rufen Sie mich an unter 0152 060 777 67, oder Sie bestellen den Energieausweis direkt. Weitere Themen rund um Wohnhäuser finden Sie in meinem Bereich Energieausweise für Wohngebäude.

Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Berlin
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