Wohngebäude

Energieausweis mit Nachtspeicherheizung in Berlin: Welche Klasse Sie realistisch bekommen

Energieausweis mit Nachtspeicherheizung in Berlin: Welche Klasse Sie realistisch bekommen | energiepass BERLIN, Telefon 0152 060 777 67
Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Berlin
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Ein Berliner Wohngebäude mit Nachtspeicherheizung landet im Energieausweis meist in Klasse F bis H, im ungedämmten Bestand fast immer bei G oder H. Das liegt nicht an einer Bestrafung für Strom, sondern an §86 Absatz 2 GModG: Die Klasse folgt dem Endenergiewert, und bei einer Stromdirektheizung ist jede Kilowattstunde Wärme genau eine Kilowattstunde Endenergie. Der Ausweis kostet bei mir 299 Euro für das Einfamilienhaus.

Die meisten Eigentümer, die mich mit diesem Thema anrufen, erwarten schlechte Nachrichten und bekommen trotzdem einen Schreck.

Denn der Buchstabe steht dann in der Immobilienanzeige. Vor dem Preis, vor den Fotos, direkt neben der Wohnfläche.

Ich erkläre in diesem Beitrag, warum die Zahl so ausfällt, wie sie ausfällt, wo Spielraum ist und wo keiner, und was das kommende Gebäudemodernisierungsgesetz daran ändert. Die kurze Vorwegnahme: weniger, als viele hoffen.

Brauche ich für ein Haus mit Nachtspeicherheizung überhaupt einen Energieausweis?

Ja. Die Ausweispflicht hängt am Gebäude und am Anlass, nicht an der Heizungsart. Sobald verkauft, vermietet oder verpachtet wird, braucht es einen gültigen Energieausweis. Nach §80 Absatz 4 GModG muss er spätestens bei der Besichtigung unaufgefordert vorgelegt und nach Vertragsschluss übergeben werden.

Es gibt keine Ausnahme für Stromheizungen, keine Sonderregel für Speicheröfen, keinen Sonderweg.

Für Wohnungseigentümer heißt das wie überall: Der Ausweis wird für das ganze Gebäude ausgestellt. Wer eine einzelne Wohnung mit Nachtspeicheröfen verkauft, braucht eine Kopie des Gebäudeausweises von der Hausverwaltung, nicht einen eigenen.

Und schon die Anzeige braucht nach §87 GModG die Pflichtangaben: Ausweisart, Energiekennwert, wesentlicher Energieträger, Baujahr, Effizienzklasse. Wer sie weglässt, riskiert nach §108 GModG ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro.

Der wesentliche Energieträger heißt dann eben “Strom”. Das lässt sich nicht kaschieren, und das sollte man auch nicht versuchen. Käufer merken es spätestens beim ersten Blick in die Nebenkosten.

Warum wird die Energieklasse bei Nachtspeicherheizung fast immer schlecht?

Weil die Effizienzklasse eines Wohngebäudes nach §86 Absatz 2 GModG unmittelbar aus dem Endenergiewert folgt. Endenergie ist das, was hinter dem Zähler ins Gebäude läuft. Eine Nachtspeicherheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme, mehr nicht. Es gibt also keinen Umwandlungsvorteil, der den Wert drücken könnte.

Das ist der ganze Mechanismus, und er wird selten sauber erklärt.

Vergleichen Sie es mit einer Wärmepumpe im Nachbarhaus. Die holt aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Bei gleichem Wärmebedarf steht im Ausweis also ein Drittel des Endenergiewerts. Gleiches Haus, gleiche Dämmung, drei Klassen Unterschied.

Deshalb ist die Klasse bei Nachtspeicher weniger eine Aussage über Ihre Bausubstanz als über Ihre Anlagentechnik.

Zustand des GebäudesEndenergie kWh/(m²·a)Klasse (Richtwert)
Nachkriegsbau, ungedämmt, Speicheröfen200 bis 280G bis H
Fenster erneuert, Fassade ungedämmt165 bis 200F
Teilgedämmt, Dach und oberste Geschossdecke135 bis 165E bis F
Vollgedämmter Neubau oder Kernsanierung mit Strom90 bis 130C bis D

Die Klassengrenzen selbst stehen in Anlage 10 zum GModG: G reicht bis 250 kWh pro Quadratmeter und Jahr, alles darüber ist H. Die Zuordnung der Gebäudezustände sind Bandbreiten aus meiner täglichen Arbeit, keine amtlichen Werte. Ihr Gebäude kann in beide Richtungen abweichen.

Was die Buchstaben grundsätzlich bedeuten und ab wann ein Wert als gut gilt, habe ich in meinem Beitrag zur Energieklasse beim Haus ausführlich aufgeschrieben.

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Verbrauchs- oder Bedarfsausweis bei Nachtspeicherheizung?

Bei Stromheizungen entscheidet das nicht die Vorliebe, sondern der Zähler. Ein Verbrauchsausweis braucht nach §82 GModG den Verbrauch aus drei zusammenhängenden Abrechnungsperioden, witterungsbereinigt und um Leerstand korrigiert. Das setzt voraus, dass der Heizstrom sauber vom Haushaltsstrom getrennt erfasst ist. Genau daran scheitert es in Berlin oft.

In den älteren Anlagen finde ich drei Situationen.

Erstens: ein eigener Heizstromzähler oder ein Doppeltarifzähler mit klar getrenntem Niedertarif. Dann ist der Verbrauchsausweis sauber machbar.

Zweitens: ein Eintarifzähler, über den Kochen, Waschen, Fernsehen und Heizen zusammen laufen. Dann lässt sich der Heizanteil nicht seriös herausrechnen, und ich rate zum Bedarfsausweis.

Drittens: getrennte Zähler in jeder Wohnung, aber keine zentrale Abrechnung. Im Mehrfamilienhaus müsste die Verwaltung dann von jedem Mieter drei Jahresabrechnungen einsammeln. Das gelingt fast nie vollständig.

Dazu kommt eine formale Hürde: Bei Wohngebäuden mit weniger als fünf Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde und die nie auf das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977 gebracht wurden, ist der Bedarfsausweis nach §80 Absatz 3 GModG ohnehin Pflicht. Viele Berliner Nachtspeicher-Häuser aus den Sechzigern und frühen Siebzigern fallen genau in dieses Fenster.

Wie sich die beiden Ausweisarten grundsätzlich unterscheiden, zeige ich im Beitrag Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis fürs Einfamilienhaus.

Ein Punkt für die Erwartungshaltung: Der Bedarfsausweis fällt bei Stromheizung meist nicht schlechter aus als der Verbrauchsausweis. Wer mit Nachtspeicheröfen heizt, spart in aller Regel bereits aus Kostengründen, hält Räume kühler und schaltet Öfen ab. Der reale Verbrauch liegt dadurch oft unter dem rechnerischen Bedarf.

Wo stehen die Berliner Nachtspeicherheizungen?

Sie verteilen sich nicht gleichmäßig über die Stadt, sondern folgen zwei Bauphasen: den West-Berliner Nachkriegsbauten der 1950er bis 1970er Jahre und den nachträglichen Dachgeschossausbauten der 1980er und 1990er.

In der ersten Gruppe finde ich sie vor allem in Spandau, Reinickendorf und in Teilen der Gropiusstadt. Damals galt Strom als sauber, modern und billig, ein Schornstein war nicht nötig, ein Heizraum auch nicht.

Die zweite Gruppe sitzt in Altbauten in Charlottenburg-Wilmersdorf, Schöneberg oder Prenzlauer Berg. Wenn ein Dachgeschoss ausgebaut wurde, ohne dass ein Heizungsstrang nach oben gezogen werden konnte, standen dort plötzlich Speicheröfen oder später Infrarotpaneele.

Belastbare Zahlen für Berlin gibt es dazu übrigens nicht. Der Zensus 2022 weist für Berlin Gas mit rund 921.000 und Fernwärme mit rund 869.000 Wohnungen aus, führt Strom aber nicht als eigene Kategorie, sondern in einer Restgröße. Wer Ihnen eine exakte Zahl nennt, hat sie geschätzt.

Praktisch relevant ist ohnehin etwas anderes: Berlin ist eine Fernwärmestadt. Ein Nachtspeicherhaus fällt hier stärker aus dem Rahmen als in einem märkischen Dorf, und Käufer vergleichen es genau mit diesen Nachbarn.

Was ändert das GModG für strombeheizte Gebäude?

Weniger als erwartet. Das Gebäudemodernisierungsgesetz wurde am 10. Juli 2026 von Bundestag und Bundesrat beschlossen, der Energieausweis-Teil gilt erst rund sechs Monate nach der Verkündung, also voraussichtlich ab Anfang 2027. Für Strom sinkt der Primärenergiefaktor von 1,8 auf 1,5. Die Effizienzklasse eines Wohngebäudes ändert das nicht, denn sie hängt an der Endenergie.

Diesen Unterschied verwechseln gerade sehr viele, auch Fachleute.

Der Primärenergiefaktor bewertet die Vorkette: Kraftwerk, Netzverluste, Erneuerbaren-Anteil. Er wirkt im Ausweis auf die Primärenergiezeile. Der Buchstabe auf dem Farbband dagegen folgt bei Wohngebäuden dem Endenergiewert. Ihr Nachtspeicherhaus wird also nach 2027 auf dem Papier etwas besser dastehen, aber in derselben Klasse bleiben.

Zwei weitere Punkte sind für Sie wichtiger:

Wohngebäude behalten die Skala A+ bis H. Die neue Einteilung von A bis G kommt ausschließlich für Nichtwohngebäude. Wer gelesen hat, sein Haus rutsche automatisch in ein neues Raster, kann das abhaken.

Und für Wohngebäude entfällt die 1977er-Grenze, es gilt dann die freie Wahl zwischen Verbrauch und Bedarf. Für ein kleines Nachtspeicherhaus von 1968, das heute zwingend einen Bedarfsausweis braucht, wäre ab 2027 also auch der Verbrauchsweg offen, sofern die Zählerdaten es hergeben.

Bestandsausweise bleiben ihre vollen zehn Jahre gültig, eine Austauschpflicht gibt es nicht. Wer jetzt bestellt, verliert dadurch nichts. Alle Details zum Gesetz und den Stichtagen stehen in meinem Beitrag GModG beschlossen: was sich für den Energieausweis ändert.

Ein Betriebsverbot für Nachtspeicheröfen existiert übrigens weiterhin nicht. Das Verbot aus der EnEV 2009 wurde 2013 wieder gestrichen, und weder GEG noch GModG holen es zurück. Wer aber ohnehin tauscht, kommt an den Anforderungen für neue Heizungen nicht vorbei.

Wie hole ich das Beste aus dem Ausweis heraus?

Der Spielraum liegt nicht bei der Heizung, sondern bei der Gebäudehülle und bei sauberen Eingangsdaten. Genau dort setzt meine Best-Case-Optimierung an: alles, was rechtlich zulässig ist, wird günstig angesetzt, statt pauschal mit den schlechtesten Standardwerten zu rechnen.

Zwei Beispiele aus der Praxis.

Erstens die Fenster. Wenn ein Haus 1972 gebaut und 2009 auf Zweifachverglasung umgerüstet wurde, gehört das dokumentiert. Ohne Nachweis rechnet ein Aussteller die alten Fenster von 1972 an, und das kostet schnell 15 bis 25 kWh pro Quadratmeter und Jahr.

Zweitens die oberste Geschossdecke. Viele Berliner Eigentümer haben sie irgendwann selbst gedämmt, oft mit Mineralwolle zwischen den Balken. Das taucht in keiner Bauakte auf, zählt aber. Ein Foto vom Dachboden reicht mir.

Und ein dritter Punkt, den ich immer anspreche: Wenn Warmwasser separat über einen elektrischen Boiler läuft, muss das im Ausweis auch als separate Größe geführt werden. Wird es einfach in den Heizstrom gerechnet, wird der Wert unnötig schlecht.

Alle Daten hole ich telefonisch ab oder per Foto. Sie schicken mir, was Sie haben, ich sage Ihnen, was fehlt. Nach der Ausstellung schaue ich mir das Gebäude bei Bedarf kostenlos von außen an.

Welche Fehler machen Berliner Eigentümer mit Nachtspeicherheizung?

Der teuerste Fehler ist Aussitzen. Der zweitteuerste ist, die Klasse in der Anzeige zu verschweigen.

Was mir am häufigsten begegnet:

Der Ausweis wird erst zwei Tage vor der ersten Besichtigung besorgt, dann fehlen die Unterlagen und es wird hektisch. Bei mir dauert die Erstellung 24 Stunden, aber die Zählerabrechnungen müssen Sie erst einmal finden.

Die Klasse H wird in der Anzeige weggelassen, weil sie unangenehm ist. Das ist ein Bußgeldtatbestand und fällt bei Maklerportalen sofort auf.

Der Verbrauchsausweis wird aus einer einzigen Jahresabrechnung gebastelt. Drei zusammenhängende Perioden sind Pflicht, ein Ausweis auf dünner Datenbasis ist angreifbar.

Und schließlich: Der schlechte Wert wird als Verhandlungskatastrophe behandelt, statt als Argument. Ein ehrlich ausgewiesenes H mit einer belastbaren Sanierungsempfehlung im Ausweis ist im Gespräch mit Käufern deutlich besser als ein beschönigter Wert, der beim ersten Nachrechnen kippt.

Fazit

Bei einer Nachtspeicherheizung entscheidet die Physik über den Buchstaben, und daran ändert auch das GModG nichts. Was Sie beeinflussen können, sind die Eingangsdaten, die Wahl der Ausweisart und der Zeitpunkt.

Wer jetzt bestellt, hat einen zehn Jahre gültigen Ausweis nach vertrautem Recht und in der Anzeige eine Zahl, die trägt.

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Häufige Fragen

Welche Energieklasse bekommt ein Haus mit Nachtspeicherheizung?

Im ungedämmten Bestand meist G oder H, nach einer Teilsanierung E oder F, bei sehr guter Dämmung auch C oder D. Der Grund ist die Physik: Bei einer Stromdirektheizung wird jede Kilowattstunde Wärme als volle Kilowattstunde Endenergie gezählt. Die Klasse folgt nach §86 Absatz 2 GModG dem Endenergiewert, und dort gibt es bei Direktstrom keinen Umwandlungsvorteil.

Brauche ich für eine Wohnung mit Nachtspeicheröfen einen Energieausweis?

Ja, sobald verkauft oder neu vermietet wird. Der Ausweis wird für das gesamte Gebäude ausgestellt, nicht für die einzelne Wohnung. Bei einer Eigentumswohnung fordern Sie deshalb eine Kopie des Gebäudeausweises bei der Hausverwaltung an.

Verbrauchs- oder Bedarfsausweis bei Nachtspeicherheizung?

Das entscheidet in der Praxis die Zählersituation. Nur wenn der Heizstrom über drei zusammenhängende Abrechnungsjahre getrennt vom Haushaltsstrom erfasst ist, lässt sich ein sauberer Verbrauchsausweis rechnen. Fehlt diese Trennung, ist der Bedarfsausweis der richtige und oft auch der fairere Weg.

Ändert das GModG die Bewertung von Stromheizungen?

Es ändert die Primärenergiezeile, nicht den Buchstaben. Der Primärenergiefaktor für Strom sinkt von 1,8 auf 1,5. Da die Effizienzklasse bei Wohngebäuden aber am Endenergiewert hängt, bleibt die Einstufung eines Nachtspeicherhauses davon unberührt. Wohngebäude behalten außerdem die Skala A+ bis H.

Was kostet der Energieausweis für ein Haus mit Nachtspeicherheizung in Berlin?

299 Euro Festpreis für das Einfamilienhaus, 399 Euro für das Mehrfamilienhaus. Lieferung digital in 24 Stunden, DIBt-registriert, zehn Jahre gültig. Best-Case-Optimierung ist enthalten, auf Anfragen antworte ich in ein bis zwei Stunden.

Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Berlin
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